Die 14 Brüder an der Marienkirche zu Rostock

Die 14 Brüder an der Marienkirche zu Rostock

Kaum bekannt ist selbst in Rostock die Gründungslegende der Rostocker Marienkirche. Die Belege sind in großer Höhe gut „versteckt“.

Als Mitte des vorigen Jahrhunderts bei dem Sagen-Sammler Albert Niederhöffer die 14 Tonplastiken an der Westfront des Rostocker Marienkirchturmes in einer Sage beschrieben werden ist das Sichtbare schnell erzählt: „14 menschenähnliche Gegenstände, die in dem Mauerwerke als Verzierung angebracht waren, darstellend die sämtlichen 14 Brüder oder Männer, welche den Kirchenbau ausgeführt haben sollen.“ – mehr ist von dem Figurenfries in etwa 35 Meter Höhe nicht zu erkennen.

Da jedoch gleichzeitig „ein Tableau aus Eichenholz in halb erhabener Bildhauerarbeit, darstellend sieben männliche, mit verschiedenen alterthümlichen Gewändern bekleidete Figuren“ von etwa vier Meter Länge aus der Marienkirche beschrieben wird, erhellt sich der Sagenbezug durch die Aussage des damaligen Kirchendieners von St. Marien: „Im grauen Alterthume hatten 14 Brüder, alle reiche, mit vielen Grundstücken in Mecklenburg belehnte Herren, den Entschluss gefasst, ein großes, prächtiges Gotteshaus in Rostock zu erbauen. Sieben von diesen Männern haben nun deshalb im ganzen Lande Geld und Baumaterialien zusammengebracht und nach Rostock geschickt; die anderen sieben aber sind in Rostock geblieben und haben hier den Bau beaufsichtigt und geleitet.

Von diesen sieben in Rostock gebliebenen Brüdern hat nun einer die Kasse oder den Beutel gehabt und die anderen in der Berechnung betrogen. Dieses ist jedoch entdeckt worden, worauf ihn denn seine Brüder getötet haben. Das Tableau in der Kirche stellte nun die sieben Brüder dar, welche in Rostock den Bau der Kirche leiteten und besorgten. In ihrer Mitte erblickte man auch den Betrüger, mit einem Beutel in der Hand.“ Das Tableau scheint die Zeiten nicht überdauert zu haben – der Figurenfries bleibt bis heute rätselhaft und ist am besten mit einem Fernglas aus der Faulen Grube anzuschauen.

Erst im Jahre 1899 konnte der Hofphotograph Steenbock während der Ausbesserungsarbeiten am Turm aus zwei Meter Entfernung gute Fotos von der Baurüstung aus machen. Zwei Rüstbäume und vier senkrechte Schattenlinien sind mit auf die Fotos gebannt worden. 1927 erfolgte eine Beschreibung und Deutung des Figurenfrieses durch Gustav Dehn in den „Beiträgen zur Geschichte der Stadt Rostock“. Die Deutung ist spektakulär und hat doch bei den Rostockern kaum Verbreitung gefunden.

Der Fries mit den 14 sitzenden Vollfiguren hat eine Länge von 11,80 m, einschließlich einer Lücke von 2,10 m in der Mitte – passend für drei weitere Figuren. In den Zwickeln der baldachinartigen Bögen sind die Oberkörper 12 weiterer Gestalten eingemauert. Dehn verweist immer wieder auf die „einfach mit der Kelle verputzten“ Nischen als Ausdruck für eine schnelle Arbeit. „Die 14 Hauptgestalten sind nur 75-85 cm hoch, die Gesichter gelb glasiert, zeigen im übrigen wie alle anderen Friesteile Reste von tiefdunkler Glasur“. Nur Petrus mit seinem Schlüssel wird eindeutig identifiziert. Da die Figuren beschuht sind, bezweifelt Dehn, dass es sich um (in der Regel barfüßige) Apostel handeln könnte.

Die hohe Anbringung, die sehr alten Formelemente und die eigenartige Stückelung des Frieses lassen Gustav Dehn zu der Auffassung kommen, dass es sich hierbei um Überbleibsel der ersten Marienkirche handelt, die erstmalig 1231 erwähnt wird. Möglicherweise war die Figurenreihe im alten Chorraum in niedriger Höhe angebracht und wurde nach Abbruch des Vorgängerbaues am Turm vermauert. Damit wäre der Figurenfries aus der Zeit um 1230 die „wahrscheinlich älteste Tonplastik Rostocks und wohl Mecklenburgs“.

Die Sage des 19. Jahrhunderts unterstützt diese Datierung in die Entstehungszeit des ersten Kirchenbaus.

Guter Sicht-Standort: Die von der Kröpeliner Straße in Richtung Lange Straße abgehende Faule Grube mit Blick auf die Westfront der Marienkirche – in ca. 35 Metern Höhe möglichst mit Fernglas oder Teleobjektiv.

Bildunterschrift: Linker Teil des Figurenfrieses mit sieben Brüdern an der Marienkirche
Text, Foto: Dr. Hartmut Schmied, http://www.hartmut-schmied.com/

Weitere Sagen und Legenden zu Rostock und Umgebung in: Hartmut Schmied, Geister, Götter, Teufelssteine. Sagen- und Legendenführer Mecklenburg-Vorpommern, Hinstorff Verlag, Rostock 2011 (Verkauf in der Tourist-Information) und unter www.cryptoneum.de (CRYPTONEUM Legenden-Museum Rostock)

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Am Ziegenmarkt
18055 Rostock


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