Rund Bornholm bei starkem Wind gestartet


Die Flotte der 20 Rund-Bornholm-Teilnehmer ist erfolgreich in die Langstrecke gestartet. Alle anderen Klassen blieben heute an Land.

20 Boote sind heute in die Langstreckenregatta Rund Bornholm gestartet. In zwei Startgruppen fuhren die Boote um 16:05 Uhr und 16:11 bei westlichem Wind über die Startlinie im Seekanal vor der Warnemünder Mittelmole. „Wir haben den Start so getimed, dass wir dem Schiffsverkehr aus dem Weg gegangen sind“, sagte Wolfgang Bahr, Wettfahrtleiter-See, nach dem Start. „Alle Boote sind sauber rausgegangen. Es gab keine Probleme.“ Der Wind hatte bereits den ganzen Tag über mit Stärken zwischen 6 und 7 Beaufort geweht, weswegen die Wettfahrtleitung den ursprünglich für 12 Uhr heute Mittag geplanten Start auf den Nachmittag verschoben hatte. Beim Start herrschten dann aber immer noch Windstärken um die 28 Knoten (Windstärke 6), weswegen sich die Flotte Großteils gerefft auf den 270 Seemeilen langen Ritt gen Bornholm machte.

Die schnellsten Yachten werden gegen 24 Uhr am Montag zurückerwartet. Favoritin auf den Sieg nach gesegelter Zeit in der Wertungsgruppe der großen ORC-Yachten ist die „OSPA“, die im Jahr 2017 den aktuell gültigen Streckenrekord von 28 Stunden, 34 Minuten und 30 Sekunden aufstellte. Die Segelyacht „OSPA“ ist der ehemalige Volvo Ocean 60 „SEB“, der 2001/2002 am Volvo Ocean Race um die Welt teilnahm.

Anwärter auf den Sieg nach berechneter Zeit ist unter anderem Norbert Drücker, der im letzten Jahr mit seiner BM 53 „Sunbird“ in der ORC 1-Gruppe Rund Bornholm gewann.

Der starke Wind und der hohe Seegang vor Warnemünde verhinderten heute die Wettfahrten aller weiteren Klassen: J/22, Raceboards, 2.4mR, OK-Jollen, Piraten und RS Aero mussten heute an Land bleiben.

Die 2.4mR hatten gestern bereits drei Wettfahrten durchbekommen und konnten somit heute ihren Sieger ehren. Kalle Dehler gewann die Regatta im Feld der 17 Boote mit einer Serie von zwei ersten und einem zweiten Platz.

Die Pre-Worlds der J/22 sind nun auch beendet. Sieger wurde Merlijn Rutten aus den Niederlanden. Weiter geht es für die J/22-Segler am Mittwoch mit den ersten Weltmeisterschaftsläufen.

Die Raceboards, die in Warnemünde heute ihre erste Weltmeisterschaftswettfahrt austragen wollten, planen ihren ersten Start für morgen, 12 Uhr.

Die OK-Jollen, Piraten und RS Aero planen ihren ersten Start für morgen um 10:30 Uhr.

2.4 mR – das ist wie „Segelschach“

„Bei der Warnemünder Woche gibt’s die dicksten Medaillen – ein guter Grund, immer wieder zu kommen!“ Kalle Dehler, zum ersten Mal zu Gast in einer Einheitsklasse und nicht wie sonst auf den eher größeren Yachten, blickt auf ein erfolgreiches Wochenende zurück und erfreut sich an seinen neuen seglerischen Erfahrungen.

2.4 mR sind circa vier Meter lange Hightech-Kielboote, die, im Gegensatz zur „Titanic“, tatsächlich unsinkbar sind. Ihre Konstruktion erlaubt es auch Menschen mit Behinderung, am Segelsport teilzunehmen, weshalb die Bootsklasse bis 2016 paralympisch war. „Achtzig Prozent der deutschen 2.4 Segler haben aber keine Behinderung. Das zeigt, dass das Boot bei zahlreichen Segelbegeisterten, unabhängig von der körperlichen Verfassung, gut ankommt“, beschreibt Bernd-Leopold Käther mit leichtem Schwärmen die 2.4-Segelszene. Der Berliner, unter Seglern als „Poldi“ bekannt, sitzt selbst im Rollstuhl und ist auf der Warnemünder Woche nicht nur Sportler, sondern auch ehrenamtlicher Helfer. Sein technisches Know-how ist bei der teilweise komplizierten Ergebnisberechnung unverzichtbar: „Die größeren Segelyachten unterscheiden sich alle in ihrer Bauweise, ein kompliziertes Berechnungssystem versucht diese Unterschiede auszugleichen. Bei Einheitsklassen wie dem 2.4, wo alle Boote den vorgegebenen Standards entsprechen müssen, hat man dieses Problem natürlich nicht. Wer zuerst im Ziel ist, hat dann gewonnen.“

Für Kalle Dehler ist das Segeln in einer Einheitsklasse auch eine Umstellung. 2013 gewann er mit seiner Crew die Internationale Deutsche Meisterschaft im Seesegeln auf ihrer Yacht „Sporthotel“ in Warnemünde. Im 2.4 war nun keine aufwendige Berechnung mehr notwendig. Nach zwei Siegen und einem zweiten Platz in drei Wettfahrten entschied er den Wettkampf am Ende klar für sich: „Das taktische Segeln hat nun deutlich Vorrang, es geht nicht allzu sehr um die körperliche Beschaffenheit, man kann das als Segelschach beschreiben.“ Vor sechs Jahren kam der Greifswalder zum ersten mal durch seinen Sohn Thomas, der als Trainer für paralympisches Segeln tätig war, mit dem kleinen Kielboot in Kontakt. Daraufhin leisteten einige Mitsegler ein wenig Überredungskunst, bis er sich für den Kauf eines eigenen kleinen Bootes entschied. „Mein großes Segelidol Ulli Libor hat mich auf den Geschmack gebracht“, erklärt Dehler. Der mehrfache Olympiamedaillengewinner ist ein bekanntes deutsches Segelass und in letzter Zeit auch häufiger im 2.4 anzutreffen. So ganz möchte Kalle Dehler aber nicht auf das Seesegeln verzichten. Der Bootskonstrukteur arbeitet derzeit an der „Dehler 30“, ein Schiff, das unter den größeren Yachten auch als Einheitsklasse für Regatten genutzt werden soll. Dann wären aufwendige Berechnungen nicht mehr notwendig.

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