J/22 Weltmeisterschaft: Ursprüngliches Low-Tech-Segeln begeistert J/22-Segler


Jahr für Jahr bindet die Warnemünder Woche auch Welt- und Europameisterschaften in ihr Segelprogramm ein. „Das ist eine Aufwertung der Warnemünder Woche und gut für die Meldezahlen“, beschreibt der Sportdirektor der Segelwettkämpfe, Peter Ramcke, die Synergie. Ramcke selbst sorgt durch seine guten Kontakte zu den Klassenvereinigungen für die Akquisition der Meisterschaften.

Zur 82. Warnemünder Woche wird die Weltmeisterschaft der J/22 in Warnemünde ausgetragen. Vom 10. Juli an messen sich 31 Crews aus sechs Nationen. Die größten Kontingente stellen das Gastgeberland Deutschland mit 17 Startern und die Niederlande mit zehn Crews. Dazu gesellen sich J/22 aus den Cayman Islands, Frankreich, Kanada und Österreich. Bereits am Auftakt-Wochenende (6./7. Juli) trainieren die WM-Teilnehmer bei den Pre-Worlds.

Zu den Favoriten vor Warnemünde gehört der Duisburger Reiner Brockerhoff, der mit einer französischen Crew antritt und unter französischer Flagge segelt. Auch Europameister Jean-Michel Lautier aus den Niederlanden zählt zu den Favoriten beim Kampf um die WM-Krone.

Mit Spannung wird der Auftritt von Martin Menzner erwartet. Der Kieler hat bei der Kieler Woche nach neun Titeln in Folge in diesem Jahr in der J/80 gerade den dritten Rang belegt und musste seine Siegesserie beenden. Menzner gehört zu den absoluten J-Kennern und dürfte vor Warnemünde vorn mitmischen. Nachdem der Kieler vom J/80-Thron gestoßen wurde, brennt er jetzt auf einen neuen Erfolg.

Die J/22 gehört als kleinstes Boot zur großen J-Familie mit J/24, J/70 (boomt dank der Bundesliga) und J/80. Die Boote, die in Amerika, Südafrika und Italien gebaut werden, haben eine Balsaholzkern-Sandwich-Konstruktion, was sie zu haltbaren und steifen Schiffen macht. Die große Breite, kombiniert mit einem schmalen Kiel, garantiert beste Kreuzeigenschaften, das flache Unterwasserschiff gute Gleiteigenschaften und der Bug gute Segeleigenschaften in der Welle.

Das beliebte Regattaboot ist auch fürs Fahrtensegeln geeignet. Die kleine Kajüte mit den seitlichen Fenstern ist ein Plus. Sie bietet Wetterschutz, einen Platz zum Schlafen und Privatsphäre. Auch für Kinder ist Platz an Bord: Im Innenraum gibt es genug Raum zum Sitzen und Spielen.

Doch in Warnemünde steht das Regattieren im Mittelpunkt. „Das besondere an der J/22 ist, dass wir sie wie eine Jolle segeln können“, so Frank Sturm, Regional-Obmann Ost der deutschen J/22-Klassenvereinigung. Der Berliner, der natürlich auch in Warnemünde an den Start geht, ist ein Quereinsteiger aus der Yardstick-Szene in die J/22. „Ich wollte etwas Sportlicheres segeln. Und das ursprüngliche Segeln auf der J/22 macht irre Spaß. Wir segeln noch mit Spi, und alles wird per Hand gemacht“, so Sturm, der diese Bedingungen als Low-Tech-Segeln bezeichnet.

Einer der bekanntesten Aktiven, der erfolgreich auf einer J/22 gesegelt ist, ist der Südafrikaner Ian Ainslie, der am Louis Vuitton Cup 2007 als Stratege des südafrikanischen Teams Shosholoza teilgenommen hat. Ainslie war 1997 und 2001 J/22 Weltmeister. 1992 in Barcelona (Spanien), 1996 in Atlanta (USA) und 2000 in Sydney (Australien) startete Ainslie im Finn bei den Olympischen Spielen. Und auch der dreimalige amerikanische Olympiamedaillen-Gewinner Paul Forester (einmal Silber im FD sowie je einmal Silber und Gold im 470er) ist 1996 Weltmeister in der J/22 Klasse geworden.

Die J/22 vermittelt das klassische J-Feeling: Sie lässt sich absolut leicht und direkt steuern, und zwar ohne Kraft bei praktisch allen Windverhältnissen und auf allen Kursen. Rod Johnstone zeichnete 1982 die J/22 in den USA. Seither wurden über 1.600 Boote gebaut. Die größte Verbreitung hat die J/22 in den USA. Europas größte Flotte findet man in Holland mit über 130 Schiffen. In Deutschland liegt die Zahl knapp unter 100. 1993 wurde die J/22-Klasse vom Weltsegler-Verband offiziell als internationale One-Design-Klasse anerkannt. 2015 wurden die J/22 Weltmeisterschaften in Travemünde und damit erstmals in Deutschland ausgetragen. „Die Flotte hat sich gern an diese WM in Deutschland erinnert und freut sich wiederzukommen. Dazu wurden wir in Warnemünde mit offenen Armen empfangen“, so Sturm.

Technische Details der J/22:
Länge: 6,86 m
Breite: 2,44 m
Tiefgang: 1,16 m
Gewicht: 812 kg
Segelfläche: 20,72 qm

Wann segeln die J/22:
Pre-Worlds 6./7. Juli
Practice Race 9. Juli
Juli Worlds 10.–13. Juli

Zurück

Unterkunft finden

Suchen & Buchen