Die Veranstalter der Warnemünder Woche setzen auf Nachhaltigkeit


Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein sind zwei sehr aktuelle Schlagwörter und in aller Munde. Auch bei der 82. Warnemünder Woche ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema, das in diesem Jahr konsequent durchgesetzt wird.

„Alle Getränke an den Ständen auf der Warnemünder Woche werden ausschließlich in Pfandbechern ausgegeben. Sorge dafür tragen die Standbetreiber selbst. Wir als Veranstalter übernehmen die Kontrollfunktion, und bei der Standabnahme war das Umweltamt mit dabei. Im Bereich der Speiseangebote wird bei der Verpackung auf biologisch zertifizierte Materialen geachtet. Plastikgabeln gehören der Vergangenheit an. Ausnahmen gibt es nicht“, erklärt Jörg Bludau von der Veranstaltungsagentur KVS GmbH, die seit 28 Jahren auf der Landseite der Warnemünder Woche mit im Boot sitzt. Vor der Warnemünder Woche hat die Agentur das neue Nachhaltigkeitskonzept erfolgreich bei der viertägigen Müritz Sail getestet. „Dort haben wir rund eine Tonne Müll durch das neue Konzept eingespart sowie viele Arbeitsstunden bei der Reinigung des Geländes am Morgen“, freut sich Bludau. Auch bei der Warnemünder Woche fällt sein Fazit schon nach den ersten Tagen positiv aus. „Das Ergebnis ist morgens gut sichtbar: Es fällt viel weniger Müll an.“

Sport und Musik stehen heute und morgen auf der Bühne am Leuchtturm auf dem Programm

Musikalisch wird der Dienstagabend abwechslungsreich. Von 17 bis 19 Uhr bringt die Gruppe Breitlings maritimen Kraftgesang auf die Bühne. Das Repertoire der Musikgruppe umfasst mehrstimmige A-Capella-Gesänge, wie sie einst auf Großseglern bei der Arbeit gesungen wurden. Shanties, Fischergesänge und Piratenlieder zählen dazu. Zum Gesang der Männer, die bereits seit 1986 gemeinsam auftreten, kommen die Instrumente Banjo, Gitarre, Tin-Whistle, Akkordeon, Trommel und Sackpfeife zum Einsatz.

Die Crazy Boys lassen mit Rock n‘ Roll-Songs Dienstagabend von 19 bis 22 Uhr auf der Bühne am Leuchtturm musikalisch die 1950er Jahre wieder aufleben. Der Sound der „Verrückten Jungs“ ist direkt und geradeaus. Die Bandmitglieder um den Gitarristen und Sänger L. Mojo sind waschechte Rock n‘ Roller. Mit ihrer Musik will die Gruppe zeigen, was Rock n‘ Roll bedeutet: Rebellion, Tabubruch und Aufschrei.

Sportlich geht es am Mittwoch tagsüber auf der Bühne am Leuchtturm zu. Dort präsentieren sich von 14 bis 19 Uhr beim WIRO Sport-Tag verschiedene Rostocker Sportvereine. Der Nachwuchs der Rostocker Nasenbären stellt die Sportart Inline Hockey vor. Die Badminton-Sparte des PSV Rostock erklärt den Unterschied zwischen Federball und Badminton und bietet ein Probetraining an. Zum Mitmachen lädt auch der Rostocker Ruderclub ein: Auf zwei Ruderergometern können die Besucher mit den Ruderprofis um die Wette Rudern. Gesundheitswandern und Athletik-Beach-Training stellt der 1. LAV Rostock vor. Im Anschluss können Interessierte beide Aktionen am Strand direkt ausprobieren. Um 16 Uhr startet das Wandern und um 18.30 Uhr das Athletik-Beach-Training. Weitere Akteure beim WIRO Sport-Tag sind die Basketballer von den Rostocker Seawolves, Eishockeyspieler von den Piranhas, Volleyballer vom SV Warnemünde, Handballer vom HC Empor und Segler vom Warnemünder Segel-Club. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung von dem Duo Ton Art. Von 18 bis 18.30 Uhr ist werden auf der Bühne die Sieger der Langstrecken-Regatta „Rund Bornholm“ geehrt. Das Bühnenprogramm schließt am Abend von 20 bis 22 Uhr mit Frauenpower aus Berlin mit der Band „Stella Rockt“.

Tina – eine aus dem Race Office

Für das professionell organisierte Race Office auf der Hohen Düne, tragen seit vielen Jahren ehrenamtliche Frauen und Männer die Verantwortung. Neben ihren Berufen ob im Finanzwesen, als selbstständige Unternehmer oder als Segler i.R. sorgen sie für einen reibungslosen Ablauf der Regatten.

Es klingt wie eine Liebesgeschichte: Frühjahr 2002. Ein Klassentreffen. Einer der Schulfreunde lässt Christina Pohl keine Ruhe. „Es gibt da einen Nachbarn bei uns am Alten Strom. Seit kurzem Witwer. Verrückter Segler. Nimm doch mal nen Blick.“ Sie nahm. Christina bummelte etwas später schon nicht nur am Strand. Es sollten ihr nach wenigen Wochen Seebeine wachsen, wenn sie an den Wochenenden ihr kleines Auto von Berlin aus gen Warnemünde lenkte. Die Yacht der Familie Goldschmidt „Adjameh“, eine Slota 30, wurde ihre Lehrwerkstatt. Obwohl als diplomierte Binnenhändlerin eigentlich nur mit Waren des täglichen Bedarfs den Umgang pflegend, lernte sie mit den scharfen Segelkommandos des Mannes hinter dem Steuerrad problemlos umzugehen. Schnell riggt sie selbst auf, beherrscht Anlege- und Ablegemanöver, bleibt seefest, wenn Rasmus richtig zuschlägt – verliebt sich in den Schiffseigner und den Segelsport. Nach fünf Jahren des Pendelns ankert sie am Alten Strom. Sie legt die Hände nicht in den Schoß, wenn in Warnemünde die besondere Segelwoche am ersten Juliwochenende des Jahres eingeläutet wird. Meldet sich für den Versorgungscontainer. Durch ihre strukturierte Arbeitsweise, ihr offenes Wesen, die Freundlichkeit, die sie ausstrahlt, wächst sie schnell in die gestandenen Teams hinein, die sich ehrenamtlich schon viele Jahre auf der Warnemünder Woche engagieren. Nun trägt sie auch das Mitgliedsbuch des Warnemünder Segel-Clubs. Seit fünf Jahren ist sie nun im Race Office dabei. Hier agiert sie resolut, zügig und immer mit einem flotten Spruch auf den Lippen. Sie gibt Parkscheine us, Passierscheine für das Campen im Marinegelände, Duschschlüssel und ist „Mädchen“ für Alles. „Bloß nicht so dick auftragen!“ weist sie das Lob ihrer Segelfreunde zurück. „Wir sind doch eine eingeschworene Crew , wir neun Aktiven. Jeder macht hier neben seinen eingeteilten Aufgaben selbstständig alles, was einen guten Gastgeber ausmacht. Das macht eben Spaß, wenn unser Segelclub eine ordentliche Visitenkarte national und international abgeben kann.“

Wenn das Race Office nach der letzten Siegerehrung aufgeräumt ist, und die Frauen und Männer ihren eigentlichen Berufen nachgehen, steht für die 66jährige Tina, wie sie landauf-landab gerufen wird, immer noch Segeln für den WSC im Kalender. Das Sommerlager „ihrer“ Optimisten beim Malchower Segelverein ist ein Muss.

Sie bekocht ihre Mädchen und Jungen, verwöhnt sie, nimmt sie in den Arm, wenn dann doch mal das Heimweh drückt. Sie scheut sich aber auch nicht, die allzu fürsorglichen Eltern der Nachwuchssegler lächelnd, aber strikt zu bitten, ihre Sprösslinge allein die Ferienwelt entdecken zu lassen. Sie und ihr Mann laden die Kinder und Jugendlichen oft nach den Ferien ins Logis auf der Warnemünder Mittelmole ein, damit sie das kleine Seemanns-ABC erlernen, um Knoten zu knüpfen oder um zu Spleißen. Das Feiern im Advent mit den Kindern ist ebenso eine feste Größe.

Längst hat sich Christinas Familienname in Goldschmidt geändert. Der Name ihres Mannes ist für Christina in ihrem Engagement für den Segelsport Ansporn. Ihr Dieter startete seit 1953 bei Regatten, ist heute noch Ehrenvorsitzender des Seglerverbandes Mecklenburg-Vorpommern, 50 Jahre Mitglied des Warnemünder Segelclubs, und nicht zuletzt ist er Autor des Buches „Der Warnemünder Segelclub“.

Die Leidenschaft zur eigenen und der großen Seglerfamilie gehört für Tina Goldschmidt nun seit fast 20 Jahren zu einem ganz normalen Leben.

Es ist eine Liebesgeschichte, die das Segeln zwischen Berlin und Warnemünde diktiert hat.

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