Der WIRO-Sporttag: Sport zum Anschauen und Mitmachen


Auf der Fläche hinter der Bühne liefen die Ruderergometer des Rostocker Rudervereins beim Wettrudern für Jedermann warm, davor rollten die Hartkunststoffbälle der Rostocker Nasenbären auf das Tor zu. Beim WIRO-Sporttag stellten sich am Mittwoch auf der Bühne am Leuchtturm Rostocker Sportvereine vor und luden die Zuschauer zum Mitmachen ein.

Die Unterschiede zwischen Inlinehockey, Inline-Skaterhockey und Rollhockey erklärten Mitglieder der Rostocker Nasenbären, während ihre Nachwuchsspieler des Vereins vor der Bühne gut gepolstert in voller Montur mit Helm, Bein- und Tiefschutz sowie Halskrause die orangefarbenen Bälle mit ihren Schlägern Richtung Tor schoben. Das von den Nasenbären vorgeführte Inline-Skaterhockey ist eine dem Eishockey artverwandte Sportart, die zunächst in den USA populär wurde und seit den 1980er Jahren auch in Deutschland viele Anhänger hat. Gespielt wird mit Eishockeyschlägern, einem speziellen Hartkunststoffball und auf Inlineskates. Inlinehockeyspieler dagegen benutzen statt eines Balls einen Puck als Spielgerät. Beim Rollhockey kommen Rollschuhe zum Einsatz. So wie bei der Präsentation der Rostocker Nasenbären erfuhren die Zuschauer beim WIRO-Sporttag auch zu vielen anderen Sportarten interessante Details und konnten bei Interesse auch direkt selbst aktiv werden. Mit von der Partie auf der Bühne waren Eishockeyspieler von den Piranhas, Basketballer von den Seawolves, Handballer vom HC Empor, Badmintonspieler des PSV Rostock, der 1. LAV mit den Sparten Gesundheitswandern und Athletik-Beach-Training. Nach den Nasenbären zeigten die Volleyballer vom SV Warnemünde ihr Können. Und natürlich stellten sich die Segler vom Warnemünder Segel-Club vor. Eigens für ihren Auftritt hatten die Warnemünder Segelkinder die Jüngstenjolle Optimist und Fähnchen mitgebracht.

Die Vorschau zum Landprogramm

Am Donnerstag wird es auf der Bühne am Leuchtturm wieder musikalisch: Ab 15.30 Uhr bis zum Programmende um 22 Uhr gehört die Bühne den Interpreten des „Open Air am Meer – Rauch auf dem Wasser XV“. Das mehr als sechsstündige Festival mit vier Einzelkonzerten von Musikern aus der Region wird von Michael Terpitz moderiert. Es spielen die Bands „Heidrun 68“, der Gitarrist Ola Van Sander mit seinen Schülern, sowie die Gruppen „Oldie Train“ und „Bad Penny“. Zwischen 18 und 18.45 Uhr wird das Open- Air-Festival für die Siegerehrung der Raceboard-Weltmeisterschaft auf der Bühne am Leuchtturm unterbrochen.

Sportliche Highlights locken dann am Freitag die Besucher an den Strand. In der Sport Beach Arena startet um 17 Uhr das 6. Strand-Lacrosse-Turnier „LAX at the Beach 2019“, das seit 2014 fest zum Programm der Warnemünder Woche gehört. Bis Sonntag spielen rund 120 Lacrosse-Spieler aus ganz Deutschland im Sand um den Sieg. Mit einem Schläger mit einem Netz am oberen Ende werfen sich die Spieler dabei einen Hartgummiball zu. Ein Spiel besteht aus zwei Halbzeiten à zwölf Minuten mit zwei Minuten Pause dazwischen. Parallel zum Lacrosse-Turnier gehen auch die Teilnehmer des Ahoi Beachkubb-Turniers ab 17 Uhr in der Sport Beach Arena an den Start und messen sich im Wikingerschach.

Der Slipwagenservice: Segler im Mittelpunkt

Man kennt es: Bei großen Regatten herrscht oft heilloses Chaos an den Sliprampen. Wenn dann in kürzester Zeit über 200 Lasersegler mit ihren Booten auf das Wasser möchten, müssen die Slipwagen schließlich irgendwo hin. Bei der Warnemünder Woche gibt es daher am Standort Mittelmole einen besonderen Service für Segler: einen organisierten Slipwagen-Parkdienst. „Dieses System ist bei einer Segelgroßveranstaltung in Deutschland einzigartig“, sagt Sportdirektor Peter Ramcke.

Jeder Teilnehmer auf der Mittelmole erhält beim Check-In zwei identische Slipwagenkennungen, eine um sie am Slipwagen zu befestigen und eine zum Merken der Nummer. So können Slipwagen und Segler immer genau zugeordnet werden. Durch ein gestaffeltes „Launchen“ der verschiedenen Klassen und Gruppen wird das Gedränge an der Sliprampe bereits deutlich reduziert. Dies geschieht durch Setzen der Flagge „Delta“ und Schallsignal. Zusätzlich wird das Ganze auf deutsch und englisch moderiert. Auch bei möglichen Verzögerungen haben die Boote immer genug Zeit ihren Start zu erreichen, da die Flagge „D“, ähnlich wie das Niederholen der Startverschiebung, die frühest mögliche Ankündigungszeit festlegt.

Ist der Segler an der Rampe und slippt sein Boot zu Wasser, wird ihm anschließend der Slipwagen durch einen ehrenamtlichen Helfer abgenommen. Der Segler braucht also sein Boot nicht mehr zu verlassen, sondern muss höchstens kurz auf einen Helfer warten, der ihm den Slipwagen abnimmt. Der gesamte Bereich der Sliprampe, einschließlich des Weges zum Bootspark, ist ein „gesperrter Bereich“, der erst nach der Freigabe (Flagge „D“ und Klassenflagge unterstützt durch akustische Ansage) mit dem Slipwagen befahren werden darf. Die Helfer bringen dann die vielen Slipwagen schnell aus der Slipzone und sortieren die Wagen später in Gruppen, wenn alle Segler auf dem Wasser sind. Das spätere Slippen, um wieder an Land zu kommen, kann so reibungslos ablaufen. Denn wenn die Segler wieder vom Wasser kommen, brauchen sie lediglich ihre Slipwagenkennung einem der vielen Helfer zuzurufen und diese holen dann den Slipwagen an die Rampe.

Damit dieses ausgeklügelte System reibungslos funktionieren kann, ist der Slipwagenbereich für Segler, Begleitpersonal und Eltern gesperrt.

Der Ablauf:

1. Boot klarmachen
2. Warten auf das Launchsignal
3. Boot zur Sliprampe bringen
4. Boot Launchen und direkt den Hafen verlassen
5. Volle Konzentration auf das Segeln
6. In den Hafen einlaufen
7. Helfer die Slipwagenkennung nennen
7. Slipwagen bringen lassen
8. Slippen
9. Fertig

Lebendige Sportgeschichte

Gerade rechtzeitig zur Warnemünde Woche ist im Heimatmuseum des Ostseebades eine Sonderausstellung zum 70-jährigen Jubiläum des Sports im Hafenort an der Warnowmündung eröffnet worden.

Werner Rieck kann es kaum fassen, als er das Heimatmuseum besucht: Da steht er als 14-jähriger stolz auf dem Siegertreppchen mit Blumen in der Hand, denn er wurde der erste DDR-Meister im Optimisten Segeln! Das war im Jahr 1964. Werner Rieck erzählt es dem Museumsleiter Christoph Wegner ganz genau, wie er als Knirps schon mit dem Optimisten, einer bis dahin völlig unbekannten Bootsklasse in Deutschland, zwischen den Molenköpfen trainierte oder um die Dalben im Yachthafen bis zum Mittelmolenkopf kreuzte. 1962 baute die Warnowwerft nach dänischem Vorbild – die Ostseenachbarn hatten zur Ostseewoche 1961 der Stadt einen Optimisten geschenkt – fünf Boote. „Eines durfte ich segeln. Meinen Opti mit dem rot-weißen Segel und der Nummer O 14.“ Die Urkunden über die Segelerfolge Werner Riecks füllen ein dickes Buch – auch mit seinen Erfolgen in der Bootsklasse Cadet, in der er anschließend steuerte und später dann an Bord des Seekreuzers „Venus“. Der Museumsleiter ist sichtlich stolz, dass er während der internationalen Segelregatten interessierte Sportler begrüßen kann. „Aber besonders spannend ist es doch, wenn Museumsstücke lebendig werden, wenn Protagonisten berichten.“ so Wegner.

Ja, und Werner Rieck hat noch eine ganz besondere Episode für das Heimatmuseum und nun auch für das Pressebüro parat. „Bei einer Einladung zur Regatta nach Gdynia riskierten wir vier Sportler an Bord der „Venus“ einen Schlag in Richtung Dänemark. Die Offiziellen der DDR hatten ja keine genaue Zeitvorstellung wie lange unser Boot bräuchte bis zum Start in Polen. Wir waren zu neugierig, wie es ein paar Seemeilen weiter von uns aussah. Hinter dem Eisernen Vorhang, der für uns ja nur Wasser, Wind und Wellen bedeutete.“ Da die Sportler sehr verschwiegen waren und gewohnt, nur mit dem Wind zu sprechen, flüsterte keiner der Warnemünder Jungs die West-Entdeckungen aus – bis zum Jahr 1989 und bis zum jetzigen Museumsbesuch. Übrigens war der gelernte Schiffselektriker seit dem Jahr 2000 Haus- und Hafenmeister in der Sportschule im Yachthafen, wo auch sein Sohn Mathias mit einem Optimisten zu segeln begann und bei den Wettkämpfen der 82.Warnemünder Woche mit dem Kielboot J/22 aktiv in die Wettkämpfe mit eingreift.

Nach den ersten beiden Wettfahrten treffen wir Mathias Rieck entspannt und sehr gelöst. „Einen siebten Platz konnten wir unter 31 Startern aus immerhin sechs Nationen, nach den ersten Fahrten einfahren. Das ist prima. Es ist ja mehr Spaß. Diese erste Woche im Juli ist so eine schöne Veranstaltung im bestem Segelrevier.“ Der 40 jährige Familienvater, der jetzt im brandenburgischen [Ort fehlt, oder] lebt, gerät richtig ins Schwärmen: „Cool war es schon immer, auch als ich im „Laser“ hier noch um Siege segelte, um die Olympiaqualifikation 2004 in Athen. Ich schätze vor allem diese besondere familiäre Atmosphäre. Hoffentlich geht die nie verloren.“ Auf der Ergebnisliste zur Mitte der J/22-Weltmeisterschaft findet sich das Boot „Momo“ mit dem Steuermann Mathias Rieck und seinen Mitseglern, dem Hamburger Wilfried Kamp und Frank Simdel aus Düsseldorf, als zweitbestes deutsches Schiff unter den Top-Ten. „Schön, aber was zählt, ist eigentlich die Teilnahme an der Warnemünder Woche!“ so Mathias Rieck.

Zurück

Unterkunft finden

Suchen & Buchen