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Nachts allein im Zoo: Auf den Spuren von Wolf, Waschbär & Co. im Wildpark-MV
Beitrag von Johanna Reinsch
Veröffentlicht am
Nachts allein im Zoo
Auf den Spuren von Wolf, Waschbär & Co. im Wildpark-MVZugegeben, dem Wildpark-MV den Stempel >>Zoo<< aufzudrücken ist in etwa vergleichbar mit der Aussage, Wölfe wären Hunde. Der Wildpark bei Güstrow ist viel mehr als das: Er ist ein Zuhause für 5.300 Tiere aus knapp hundert Arten, eine Zufluchtsstätte für das ein oder andere Geschöpf mit Handicap, ein Ort der Bildung, Interaktion und Erlebnisse – und vor allem ein Abenteuer, das sowohl tagliebenden Lerchen als auch nachtschwärmenden Eulen Staunen ins Gesicht und Freude in die Mundwinkel zaubert. Wir waren für euch zu beiden Zeiten im Wildpark-MV unterwegs.
Der Ruf der Wölfe
Angelika Lederer, Tierpflegerin a.D., hat Tränen in den Augen, gepaart mit einer Gänsehaut. Sie sagt, dass ihr das auch nach 50 Jahren im Dienst noch passiere. Man sieht ihr die Rührung und den Stolz an, als sie „ihre Freunde“ ruft, wie sie sagt, und diese mit ihrem Geheule antworten. Die Rede ist von den Wölfen, die zusammen mit Luchsen und Wildkatzen in der Raubtier-WG des Parks leben.
Plötzlich erspähen wir sogar ein waschechtes Exemplar einer Fähe vor uns, sie ist dem Ruf von Angelika durch den Wald gefolgt. Der Wölfin, die den Namen Naja trägt, steht ein Grinsen im Gesicht als sie ihre Tierpflegerin entdeckt. Angelika hat die Familie, bestehend aus Elternpaar und vier Nachkommen, großgezogen, ein Jungtier trägt sogar ihren Namen. Die Mutterwölfin Nena, welche Angelika selbst nach der deutschen Sängerin benannt hat, ist ihr nach 14 Jahren Obhut besonders ans Herz gewachsen.
Wer dem Rudel noch näherkommen möchte, kann in der Wolfshütte mitten im Gehege übernachten – und die Raubtiere beim Patrouillieren durch ihr Territorium und beim Schwimmen im eigenen See beobachten. Mit etwas Glück ist auch das markante Sammelgeheule zu vernehmen, das sogar bis zu 10 Kilometer weit getragen wird. Da die Tiere tagsüber ihre Ruheplätze aufsuchen, bleibt den Besuchenden ihre Präsenz im Hellen zumeist verborgen.
Tierische Abenteuer
Auch wir waren noch ein paar Stunden zuvor im Wildpark auf eigene Faust unterwegs. Mit Plan in der Hand sind wir den Pfaden zum Streichelzoo über das Wildfreigehege bis zur Bärenhöhle gefolgt. Während die Ziegen und Schafe mit Futter zum Kuscheln bestochen werden können, ist der Anblick von Fred und Frode, den zwei Braunbärenbrüdern, die auf einem zwei Hektar großen Stück Land mit Bach, See, Wald und Berg leben, nur aus sicherer Entfernung zu genießen. Als wir an ihrem Gehege ankommen, sind die majestätischen Tiere gerade auf dem Weg in ihre Höhle, um sich was zu Futtern zu holen. Wenn wir später bei der Abendtour mit Angelika zurückkehren, schlafen Fred und Frode bereits friedlich, dafür erwacht das Wolfsrudel aus seinem untertätigen Nickerchen und geht seinen nächtlichen Aktivitäten nach.
Als wir im Hellen an den Vogelvolieren mit Sperberenten, Säbelschnäbler, Sittichen und Fasanen vorbeikommen, herrscht reges Treiben und lautes Gezirpe. In der Dämmerung ist es dafür gespenstisch still, doch wir spüren die Augen auf uns, die aus der Dunkelheit jeden unserer Schritte verfolgen: Die Eulen und Kauze haben die Nachtwache übernommen.
Füttern, Streicheln und der Puppy-Effekt
Die Abendtour legt den Fokus jedoch noch auf weit mehr Tiere als „nur“ auf die sonderbaren Vögel mit ihren großen Augen, gekrümmten Schnäbeln und rotierendem Köpfen. „Es werden Geschöpfe vorgestellt, die sonst nicht im Fokus stehen“ sagt Angelika, „wie unsere Frettchen, Sittiche und Waschbären“.
Vor allem die pfiffen Gesellen mit den schwarzen Masken entlocken den Teilnehmenden der Tour jede Menge „Ohs“ und „Ahs“ und „sind die süß“. Die Niedlichkeit der Waschbären hat es der Runde angetan, schließlich schauen sie mehr als drollig als sie die Rosinenbrötchen vorsichtig aus den Händen ihrer Gäste nehmen und sie genüsslich schmatzend vertilgen.
Doch während einige Tiere, wie Wölfe und Waschbären, im Wildpark geboren wurden, hat es andere Geschöpfe aufgrund von bestimmte Umständen dorthin verschlagen. So sind die Störche allesamt beeinträchtigt, zumeist flugunfähig. In der freien Wildbahn würden sie nicht lange überleben, hier scheint das der Lebenserwartung der Geschöpfe keinen Abbruch zu tun, ganz im Gegenteil sogar: Werden sie in menschlicher Obhut etwa 20 Jahre alt, kann der Wildpark sogar einen Greis mit stolzen 48 Jahren nachweisen. Das ist mehr als nur Versorgung, das ist Tierliebe – und die kommt allen Geschöpfen im Wildpark von insgesamt 16 Pflegerinnen und Pflegern zugute.
Wir sind fast am Ende der Abendtour angelangt, doch es wartet noch ein imposanter Abschluss auf uns. Zwar kehren wir nicht zu ihren, und jetzt auch unseren, „Freunden“ zurück, finden uns jedoch einem massigen Keiler gegenüber. Während uns seine Bache und die vier Frischlinge grunzend und quiekend begrüßen, steht das Wildschein, von uns wenig beeindruckt, dafür umso erhabener, in der Dunkelheit seines Reviers. „Nicht mal ein Rudel Wölfe würde sich einen solch kräftigen Keiler holen, selbst die haben Angst vor einem ausgewachsenen Exemplar“, beendet Angelika die Tour. Auch wir möchten keinem Wildschein in freiem Gelände begegnen, antworten wir unisono mit Staunen in der Stimme.
Den Tag noch einmal im Kopf rekapitulierend, machen wir uns auf den Weg Richtung Ausgang. Wir hätten hier wesentlich mehr Zeit verbringen können. Drei bis vier Stunden kann man hier gut und gern investieren, vor allem mit Kindern im Gefolge. Spielplatzzeiten und Raubtierfütterungen wollen schließlich auch Beachtung finden. Wir kommen aber auf jeden Fall wieder. Versprochen, lieber Wildpark-MV. Und vielen Dank für das einzigartige Erlebnis.
Zahlen & Fakten zum Wildpark-MV
Der Wildpark-MV, eingebettet in den Natur- und Umweltpark Güstrow, besteht bereits seit 65 Jahren an Ort und Stelle. Seinerzeit als Heimtierpark vom staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb in Zusammenarbeit mit ortsansässigen Unternehmen errichtet, waren die ersten Tiere, die einzogen, drei Wildschweine, darunter ein heranwachsender Keiler, zwei Schwäne, eine Handvoll Wild sowie Fasane und Hühner. 1960 übergab der Forst dem Stadtrat den Tierpark – auf einer Fläche von knapp 8,5 Hektar lebten bereits fast 200 Tiere aus 51 Arten. Bis zur Jahrtausendwende war es in deutschen Tierparks üblich, Gäste auch mit exotischen Lebewesen zu empfangen, so lebten auch hier – allerdings nur eine kurze Zeit - ein Löwe sowie Rhesusaffen. Bereits 1992 wurde das Konzept erarbeitet, ausschließlich heimische Flora und Fauna zu beherbergen. Mitte der 90er Jahre fand bereits die erste Wolfswanderung in der Dämmerung statt – bis heute die begehrteste Führung im Wildpark, das Angebot wurde mittlerweile mit weiteren Tierbegegnungen, darunter dem Wolfscamp, Tierfütterungen, der Eulenwanderung und jüngst auch um die Abendtour ergänzt. Im Laufe der Jahre wurde auch die Anlage für Tier und Mensch fortwährend erweitert und modernisiert: Neben dem Streichelzoo, dem Aqua-Tunnel, der Schau-Brüterei und der Erlebnis-Büdnerei, gibt es im Wildpark-MV auch unzählige interaktive Geräte und spielerische Elemente für Jungspunde und Elterntiere zu entdecken. So erkunden mehr als 200.000 Besuchende die Anlage jedes Jahr. Übrigens: Auch Fellnasen sind im Wildpark herzlich willkommen. An der Leine geführt werden auch unsere treuen Begleiter hier spannender Erfahrungen sammeln können. Lediglich einige Bereiche sind aus Schutz vor tierischer Bevölkerung und besuchendem Hund nicht gemeinsam begehbar, die betreffenden Areale sind gut gekennzeichnet.
Kontakt:
Wildpark-MV
Natur- und Umweltpark Güstrow
Verbindungschausee 1
18273 Güstrow
Webseite: Wildpark-MV, Öffnungszeiten und Ticketshop