Geschichte der Hansestadt
20. Jahrhundert
Erster Weltkrieg und Novemberrevolution
Während des Ersten Weltkriegs gingen Rohstoffe und Lebensmittel zu einem großen Teil an die Front, so dass mit jedem Monat Not und Entbehrungen zunahmen, Krankheiten wie Typhus waren die Folge des Mangels. Der gesamte Landstrich nördlich der Bahnstrecke Wismar-Rostock-Ribnitz wurde zum militärischen Sondergebiet erklärt, so dass auch das Betreten Warnemündes nur noch mit einem speziellen Ausweis möglich war. Ab 1917 kam es trotz drastischer Strafandrohungen zu Unruhen und Streiks.
Im November wurden in der politisierten Atmosphäre innerhalb nur weniger Tage Ortsgruppen der Deutschen Vaterlandspartei, des Liberalen Vereins, der Fortschrittlichen Volkspartei, aus der ein Jahr später die sehr einflussreiche Deutsche Demokratische Partei hervorging, und die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD), von der sich später die Kommunistische Partei Deutschlands abspaltete, mit zum Teil mehreren hundert Mitgliedern, gegründet. Am 30. Januar 1918 fand im Gewerkschaftshaus „Philharmonie“ eine Frauenkundgebung für den Frieden statt.
Zwei Tage nachdem Marineeinheiten am 3. November 1918 in Kiel Kriegsschiffe in ihre Gewalt gebracht hatten, liefen Torpedoboote mit roter Flagge und Kieler Matrosen an Bord in Warnemünde ein. Schon einen Tag später gründeten 1.500 Matrosen, Infanteristen und Landsturmleute einen Soldatenrat, dem sich die Arbeiter der Neptunwerft, der Munitionsfabrik Dolberg und anderer Betriebe solidarisch erklärten und am 7. November einen Arbeiterrat bildeten. Am 14. November dankte der mecklenburgische Großherzog ab, auf den öffentlichen Gebäuden Rostocks wehten nun rote Fahnen. In Mecklenburg dominierte klar die reformerische Richtung der SPD, die eine parlamentarische Demokratie anstrebte und Gewalt ablehnte. Radikale Kräfte der USPD und des Spartakusbundes, die die Novemberrevolution mit Räterepublik und Klassenkampf fortsetzen wollten, konnten sich dagegen nicht durchsetzen.
Ende Dezember 1918 fanden Kommunalwahlen sowie Wahlen zum Verfassungsgebenden Landtag und zur Weimarer Nationalversammlung statt. Auch für die Stadt wurde – erstmals in allgemeiner, gleicher und geheimer Wahl sowie mit aktivem und passivem Frauenstimmrecht – eine verfassungsgebende Versammlung gewählt. Stärkste Kraft der Bürgervertretung wurde die SPD mit 31 Mandaten vor der DDP (23), der DVP (10) und der USDP (2). Mit den Umwälzungen im Deutschen Reich und im neuen Freistaat Mecklenburg verloren die Städte endgültig ihre politische Souveränität.
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