ostseewelle

Geschichte der Hansestadt


Kaiserreich

rostock

Die beiden mecklenburgischen Großherzogtümer waren am 21. August 1866 dem Norddeutschen Bund beigetreten und 1869 wurde Mecklenburg Mitglied des Deutschen Zollvereins. Als letzte deutsche Städte hatten Rostock und Wismar 1864 das Münzrecht aufgegeben. Auch das Rostocker Bürgerrecht hörte auf zu existieren und erstmals seit 1350 konnten sich wieder Juden in der Stadt ansiedeln. Mit der Reichsgründung 1871 begann auch in Rostock der dynamische Entwicklungsprozess der Gründerzeit, allerdings blieb Rostock in seiner Entwicklung hinter den meisten deutschen Städten vergleichbarer Größe zurück.

Die Industrialisierung sorgte dafür, dass Rostock um etwa 1.000 Einwohner pro Jahr wuchs. Hatte die Stadt 1806 noch 12.756 Einwohner, waren es 1900 54.713, so dass die Stadt in westliche Richtung um das Arbeiterviertel Kröpeliner-Tor-Vorstadt und südlich um das Villenviertel der Steintor-Vorstadt erweitert wurde. Bebauungspläne lagen für die bis dahin wild wachsenden Vorstädte erst seit den späten 1880er Jahren vor. Mit der Heiligen-Geist-Kirche in der westlichen Vorstadt entstand in den Jahren 1905 bis 1908 der erste Rostocker Kirchenbau seit dem Mittelalter. Die rasante Wirtschafts- und Einwohnerentwicklung zwang in allen Bereichen zur umfassenden Modernisierung der Infrastruktur der Stadt.

Politisch blieb die Wahl des Rates auf eine relativ kleine Gruppe von Bürgern beschränkt. Das Reichstagsmandat des Wahlbezirks Rostock/Bad Doberan fiel regelmäßig wechselnd an Vertreter der Nationalliberalen Partei (NLP) und der Deutschen Fortschrittspartei. Unter der Arbeiterschaft war 1872 eine Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins gegründet worden und die Sozialdemokratie gewann zunehmend an politischem Gewicht. 1890 wurde erstmals der 1. Mai gefeiert und 1898-1906 sowie ab 1912 hatte Joseph Herzfeld das Reichstagsmandat für den fünften mecklenburgischen Wahlkreis inne. Seit 1892 verfügte die SPD mit der Mecklenburgischen Volkszeitung über eine eigene Zeitung. Die Rostocker Zeitung blieb die Stimme der Liberalen, der Rostocker Anzeiger war seit 1881 die Zeitung der bürgerlichen Kreise und bestimmte bald die Medienlandschaft Mecklenburgs.

Massenhaft entstanden Vereine, die auf nahezu allen Feldern des öffentlichen Lebens aktiv waren. Um kulturelle Angelegenheiten bemühten sich besonders der Rostocker Kunstverein von 1841 und der Verein für Rostocker Altertümer von 1883. In großer Zahl wurden Gesangs- und Sportvereine gegründet. Von öffentlicher Seite wurde das Kulturleben maßgeblich durch das Theater geprägt, das auch Musiktheater und Orchester einschloss.

 

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