Geschichte der Hansestadt
Niedergang und der Stadtbrand von 1677
Im Vergleich mit den an Schweden gefallenen Städten Stralsund, Wismar und Greifswald hatte Rostock nach dem Westfälischen Frieden 1648 schlechtere Verbindungen für den Handel mit Skandinavien. Der Schwedenzoll, Satisfaktionszahlungen Mecklenburgs an die schwedische Krone und der Zusammenbruch des hansischen Handelsnetzes – der Hansetag von 1669 war der letzte des alten Handelsbündnisses – hatten Rostock treffen, aber nicht ruinieren können.
In diese Phase der Stagnation fiel eine plötzliche Katastrophe mit Langzeitwirkung: Am 11. August 1677 brach von einem Backhaus in der Altstadt ausgehend ein verheerender Stadtbrand aus, der, von ungünstigen Winden ausgeweitet, zwei Tage anhielt, bis es endlich zu regnen begann. Fast die gesamte Altstadt und ein beträchtlicher Teil der nördlichen Mittelstadt fielen den Flammen zum Opfer. Insgesamt war ein Drittel sämtlicher Gebäude der Stadt zerstört worden – etwa 700 Häuser und Buden. Besonders schwer wog, dass das Zentrum des Rostocker Brauwesens zerstört worden war. Die Zahl der Brauhäuser sank von knapp 200 auf unter 100, die Einwohnerzahl, die Ende des 16. Jahrhunderts 14 000 betragen hatte, ging auf 5000 zurück.
Nordischer Krieg und Siebenjähriger Krieg
Der Große Nordische Krieg 1700-1721 brachte eine weitere Verschlechterung der Handelsverbindungen mit sich und führte zu Plünderungen durch dänische und schwedische Truppen. Auch der Siebenjährige Krieg zeichnete die Stadt, die von 1758 bis 1762 brandenburgisch besetzt war. Darüber hinaus nutzten die absolutistischen Fürsten die Schwäche Rostocks aus und sicherten sich in dieser Zeit langfristig mit den Landesherrlichen Erbverträgen von 1755 und 1788 ihre Macht. Seit 1702 zeitweise Residenz der Herzöge, war Rostock endgültig zu einer mecklenburgischen Landstadt geworden.
Die Universität versank im 18. Jahrhundert in die Bedeutungslosigkeit und hatte zudem noch mit einer von 1760 bis 1789 bestehenden herzoglichen Universität im benachbarten Bützow zu konkurrieren, die Friedrich von Mecklenburg-Schwerin dort gegründet hatte.
Erst Ende des 18. Jahrhunderts begann langsam der Wiederaufstieg Rostocks. Der Seehandel blühte mit Getreidetransporten wieder auf. Vor allem trug dazu die Blockade Großbritanniens durch das revolutionäre Frankreich bei, da sich die Rostocker damit den von der französischen Konkurrenz verlassenen britischen Markt erschließen konnten. Im Stadtbild wurden endlich die letzten Baulücken geschlossen, die seit dem Stadtbrand als Brachen leergestanden hatten. Auch kulturell blühte Rostock wieder auf: 1786 wurde ein Theaterbau errichtet, seit 1711 erschien die Rostocker Zeitung, und seit 1784 wirkte die aufklärerische „Societät“.
Trotz des Aufschwungs kam es in den 1790er Jahren zu einer Reihe von Unruhen durch die Handwerker, ausgelöst vor allem durch Teuerungen bei Lebensmitteln. Die bekannteste dieser Auseinandersetzungen mit Plünderungen und Zerstörungen im Oktober 1800 wurde als „Rostocker Butterkrieg“ bekannt.
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