Ratgeber Freizeit - Thema
Von Rostock nach Sylt - eine Autoreise voller Höhepunkte
Laut Routenplaner sind es genau 407 Kilometer von Rostock bis Sylt. Ebenfalls laut Routenplaner benötigt man für diese Distanz 6 Stunden und 22 Minuten - fragt sich nur: womit? Selbst mit einem sehr alten Auto geht es schneller! Und für das, was wir uns unterwegs ansehen möchten, ist es zu schnell. Dabei lassen wir Rostock mal außen vor, da sind wir immer und um Sylt und unsere Unterkunft auf Sylt müssen wir uns auch noch nicht kümmern, das ist ja unser Ziel - in 6 Stunden und 22 Minuten! Also, los geht es. Mit der Familie und unserem Familienauto.
Schon in Wismar wird es interessant, immerhin war diese Stadt bis 1803 schwedisch. Der Stadtkern von Wismar gehört zu den am besten erhaltenen Stadtkernen Europas und zählt sei 2000 zum Weltkulturerbe. Die Schwedenzeit hinterließ einen bis heute sichtbaren Einfluss auf die Architektur der Stadt, der auch in den vier wunderschönen Kirchen Marienkirche, St. Nikolaikirche, Heiligen Geist und St. Georgen zum Ausdruck kommt - hier müssen wir unbedingt anhalten.
Als nächstes steuern wir Klein-Venedig an, auch Lübeck genannt, die gute alte Hansestadt. 210 Brücken gibt es in Lübeck. Man kommt fast nirgendwohin, ohne eine Brücke zu überqueren. Sicherlich haben Hamburg und Berlin mehr Brücken als Lübeck, sie besitzen aber weder eine Puppenbrücke noch eine Hubbrücke aus historischen Zeiten. Außerdem liegt weder Hamburg noch Berlin auf dem Weg nach Sylt. Dann das Holstentor, das muss man gesehen haben. Es ist das Wahrzeichen der Stadt und gehörte als spätgotisches Bauwerk zur Lübecker Stadtbefestigung, die man seinerzeit benötigte, um sich gegen Räuber und Piraten zur Wehr zu setzen. Außerdem verfügt die Stadt mit den vielen Straßen, Gassen und Gängen über ein unglaubliches historisches Ambiente mit prachtvollen Kaufmannshäusern aus der Hansezeit.
Es ist schon seltsam, aber aus Bad Segeberg kennen die meisten nur die Karl-May-Festspiele. Die werden jedoch meistens nicht aufgeführt, wenn man gerade zufällig in der Stadt ist. Immerhin hat die Stadt auch weiteres Interessanteres zu bieten. Zum Beispiel die Erlebnisausstellung über Fledermäuse. Mit einer Taschenlampe wandert man durch die künstliche Höhle und kann mehr als einhundert tropische Fledermäuse beim Fressen von Bananen und irrwitzigen Flugmanövern beobachten. Direkt nebenan befindet sich die Kalkberghöhle, in der auch einige Fledermäuse leben. Bei einer Führung werden spannende Geschichten über den Segeberger Höhlenkäfer sowie Geologie und Geschichte der Höhle erzählt.
Die nächste Pause wird am Nord-Ostsee-Kanal gemacht. Die knapp 100 Kilometer lange Abkürzung von der Nordsee zur Ostsee wurde 1895 als Kaiser-Wilhelm-Kanal eröffnet und ist heute die am meisten befahrene künstliche Wasserstraße der Welt. Allein im vergangenen Jahr durchquerten ihn mehr als 31900 Schiffe. Täglich wird das Kanalbild von Dutzenden kolossaler Schiffe geprägt. Riesige Tanker, Frachtschiffe mit Hunderten von Containern und luxuriöse Kreuzfahrtriesen nutzen den Kanal und gleiten majestätisch dahin. Fast meint man, sie rollen über Wiesen und Weiden. Hier muss man sich, egal wie eilig man es hat, einfach eine Stunde Zeit nehmen und den Ablauf auf sich wirken lassen.
Auf der Weiterfahrt nach Sylt passieren wir dann Schleswig. Hier lohnt sich ein Stopp, um den Dom zu besuchen. Um 850 erbaut gehören seine Kirchtürme mit 112 Metern zu den höchsten der Welt. Die Aussichtsplattform bietet eine grandiose Aussicht auf die Altstadt und den Hafen.
Als letzte Station vor Sylt haben wir uns die Museumswerft in Flensburg ausgesucht. Dort wird nach historischen Plänen an Booten und Schiffen gearbeitet, wie sie vor 100 oder 200 Jahren auf der Ostsee gang und gäbe waren. Hier kann man viel über den Alltag der Bootsbauer vor 150 Jahren erfahren. Mitarbeiter erzählen über den Werftalltag vor 150 Jahren und zeigen Jugendlichen den Umgang mit traditionellen Bootsbauer-Werkzeugen.
Und jetzt auf nach Sylt, ab in unsere Unterkunft in Westerland. Hat zwar etwas länger gedauert als 6 Stunden und 22 Minuten, aber schön war es trotzdem.
Bilder: Quellenangabe
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